Veranstaltungsreihe: „Her mit dem guten Leben!“

„Her mit dem guten Leben!“
Gegenentwürfe zur globalen Krise
Wuppertaler Süd-Nord Kolloquium

Eine Veranstaltungsreihe vom 19.09. – 15.12.2011 des Informationsbüros Nicaragua e.V. Wuppertal

Die Welt steckt in einer globalen Krise, die sich als Finanz-, Wirtschafts-, Klima- und Ernährungskrise gleichzeitig manifestiert. Jahrzehnte lang musste sich alles dem Zwang des „ewigen Wachstums“ unterordnen, soziale Gerechtigkeit genauso wie ökologische Nachhaltigkeit. Sei es die verzweifelte Suche nach Erdöl, die mit der havarierten Deepwater Horizon die größte Ölpest aller Zeiten verursachte, die Hungerkatastrophe in Ostafrika, das Finanzcasino und der drohende Staatsbankrott der EU-Länder oder die schmelzenden Gletscher und Polkappen: Es deutet vieles darauf hin, dass die Rechnung für diese Politik am Ende so teuer sein wird, dass sie nicht mehr zu begleichen ist. Dabei gibt es zahlreiche Gegenentwürfe zur vermeintlichen Alternativ- und Ausweglosigkeit der Krisenpolitik. Welche Ansätze sinnvolle politische Alternativen sein können, möchten wir im Wuppertaler Süd-Nord-Kolloquium mit euch diskutieren. Wir möchten Praxisbeispiele aus Lateinamerika und Europa vorstellen, die auch für uns – hier und jetzt – relevant sein können. Es geht um soziale Infrastruktur und nachhaltige, gerechte Produktion; es geht darum, wie wir die Gesellschaft organisieren und wie wir wirtschaften wollen; es geht um Gerechtigkeit und Selbstbestimmung, Solidarität und Kooperation, um kollektive Prozesse, um die Wiederaneignung des öffentlichen Raumes und Demokratie in allen Bereichen, global und lokal. Kurz: Es geht um Entwürfe für das Gute Leben.

Termine in der Reihe:

19.09.2011 // 19:30h // die börse, Wuppertal
Zwischen Utopie und Realpolitik – Lateinamerikas Linke an der Macht
In vielen Ländern Lateinamerikas sind in den letzten Jahren linke Regierungen an die Macht gewählt worden. Die jahrzehntelange Politik unter neoliberalen Vorzeichen schien sich grundsätzlich zu verändern: Als Antwort auf vielfältige globale, kontinentale und nationale Herausforderungen wurden Konzeptionen und praktische Ansätze zur Veränderung bestehender Missstände entwickelt, die weltweit für Furore sorgten: So etwa das Konzept der partizipativen Demokratie, die Verstaatlichung von Betrieben und solidarisch-wirtschaftliche Länder-Kooperationen. Doch kann diese Politik wirklich konsequent umgesetzt werden? Oder scheitert die Realisierung der eigenen Utopien an der Realpolitik? Unter welchen gesellschaftlichen Voraussetzungen können Konzepte alternativer Entwicklungen in Lateinamerika wirksam werden? Über welche Perspektiven verfügen sie? Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die sozialen Bewegungen? Und wie werden in Europa diese Entwicklungen in Lateinamerika reflektiert?

Referent:
Ernesto Kroch, ein „Wanderer zwischen den Welten“: Aufgrund seiner Aktivitäten im Widerstand gegen den deutschen Faschismus, floh er 1938 nach Lateinamerika und kam über Umwege nach Uruguay. Während des dortigen Militärputsches musste er in den Untergrund und exilierte in die BRD. Seit 1985 lebt der engagierte Linke und Gewerkschafter wieder in Uruguay und ist dort in sozialen Basisinitiativen aktiv.

29.09.2011 // 19:30h // die börse, Wuppertal
Buen Vivir – Das Gute Leben finden?
In Bolivien sowie in Ecuador ist das Buen Vivir zur höchsten Priorität in den neuen Verfassungen geworden. Vor dem Hintergrund regionaler indigener Lebensrealitäten stellt das Konzept des „Guten Lebens“ dem herrschenden Wachstumsparadigma eine gesellschaftliche Idee für ein Leben in Demokratie und gemeinschaftlichem Wirtschaften, politischer Gleichberechtigung und in Einklang mit der Natur gegenüber. Buen Vivir heißt „Sumak Kawsay“ in Kichwa/Quechua, was den Verfechter_innen sehr wichtig ist, weil damit die indigenen, und damit auch die nicht-kolonialen, Wurzeln betont werden.
Was macht also das Konzept des Buen Vivir aus? Formuliert es eine Antwort auf die globale Krise und die Zerstörung der Welt? Wie funktioniert die Anwendung des Buen Vivir im politischen Alltag? Können wir uns – aus einem europäischen Kontext heraus – positiv darauf beziehen und Impulse für unsere politische Praxis hier gewinnen? Und wie können wir dabei verhindern, uns in Diskursen kultureller Differenz zu verheddern?

Referenten:
Thomas Fatheuer ist Sozialwissenschaftler und Philologe. Er lebt als freier Autor und Berater in Berlin. Von 2003 bis Juli 2010 leitete er das Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Rio de Janeiro.
Alfredo Cambia ist Botschaftsrat der Republik Bolivien in Deutschland.

Weitere Termine und Infos hier.

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